Neue Energie? – Die #LaTdH vom 21. August

Neue Energie? – Die #LaTdH vom 21. August

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Herzlich Willkommen!

Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass uns ein „heißer Herbst“ und womöglich ein kalter Winter bevorstehen. Während bereits jetzt Gasversorger Schreiben mit teils saftigen Preiserhöhungen an ihre Kund:innen verschicken, kommt ab 1. Oktober noch die sogenannte „Gasumlage“ hinzu, mit der die Kosten für die gestiegenen Importe an die Verbraucher:innen durchgereicht werden.

Insbesondere einkommensschwache Haushalte werden sich in den kommenden Monaten mit erheblichen finanziellen Herausforderungen konfrontiert sehen. Konkrete Vorschläge zur Entlastung haben die Sozial- und Wohlfahrtsverbände zur Hand, Infos und Tipps gibt es bei der Verbraucherzentrale.

„Die Zeit der mollig-warmen Kirchen ist vorbei“, heißt es in einer epd-Meldung – und das ist auch im übertragenen Sinne richtig. Unter dem Motto „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“ will der Ökumenische Rat der Kirchen auf seiner 11. Vollversammlung vom 31. August bis zum 8. September in Karlsruhe „neue Energie“ für seine Arbeit schöpfen. Die Ratsvorsitzende der EKD, Annette Kurschus, hofft auf einen Friedens-Impuls für den Ukraine-Krieg – während wegen heikler politischer Fragen die Nervosität der Gastgeber wächst, der Streit um die Positionierung zu Russland und Israel könne eskalieren.

Und vom 8. bis 10. September tagt die Vierte Synodalversammlung des „Synodalen Wegs“. Einige Texte liegen in zweiter Lesung zur Beratung vor. Sie könnten als Beschlüsse verabschiedet werden. Viel Hirnschmalz und Energie, Zeit und Geld wurden investiert, Erwartungen und Hoffnungen geweckt – doch schon im Vorfeld wird vor „undurchsetzbaren Luftschlössern“ gewarnt: Alle Reformvorschläge könnten wieder ins Leere laufen.

„Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen“, fordert Jesus im heutigen Tagesevangelium (Lk 13, 22-30).

Viel Energie für den Start in die neue Woche wünscht
Ihr Thomas Wystrach


Debatte

Die Energiewende und die Kirchen

Angesichts des Gasmangels und steigender Preise suchen auch die Kirchen nach Wegen, Energie bei ihren Gebäuden einzusparen und fossile Brennstoffe wie Gas oder Öl zu ersetzen. Die Die Katholische Nachrichten-Agentur (@KNA) hat einige zentrale Aspekte kirchlichen Energiesparens zusammengestellt. Konkrete Ideen haben Astrid Uhr und Martin Jarde in ihrem Beitrag für den Bayerischen Rundfunk (@BR24) zusammengetragen.

Bereits vor einem Monat hatte Philipp Greifenstein (@rockToamna) hier in der Eule den Klimaschutzmanager der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO, @ekbo_de) danach befragt, was Kirchengemeinden angesichts der horrenden Heizkosten tun können – und wie die Energiekrise im Kontext des Klimaschutzes zu verstehen ist.

Die Energiekosten werden sich mindestens verdoppeln, damit rechnet Martin Jürgens. Auch Kirchengemeinden müssten langfristig umdenken und können mit Hilfe von Sofortmaßnahmen sparen, so der Klimaschutzmanager der Nordkirche (@nordkirche_de) im Gespräch mit Timo Teggatz und Kristina Tesch:

Bisher sei ihm nicht bekannt, dass die Kirchenkreise finanzielle Unterstützungen für Gemeinden planen, die ihre Energiekosten nicht stemmen können. Das sei auch nicht zielführend, sondern mindere im schlimmsten Fall die Motivation, Energie zu sparen. (…) Ohne Umdenken gehe es seiner Meinung nach nicht.

Nachdem FPÖ-Chef Herbert Kickl angesichts der Teuerung in Österreich gefordert hatte, die Kirchenbeiträge (so heißt die Kirchensteuer im Nachbarland) auszusetzen, hat die altkatholische Kirche (@altkath_at) den Spieß umgedreht:

An die FPÖ ergeht unsere eindringliche Empfehlung, ihre Mitgliedsbeiträge auszusetzen und für die Unterstützung von Österreicher*innen und Nichtösterreicher*innen aus Parteimitteln zu sorgen,

so der altkatholische Generalvikar Martin Eisenbraun in seiner Replik auf den Appell der rechtspopulistische Partei.

Die Diözese Innsbruck erarbeitet unterdessen einen Energiesparplan. Und der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer wirbt in einem Gastbeitrag für die Welt am Sonntag dafür, auch angesichts der zu befürchtenden Energie-Engpässe nicht im solidarischen Engagement für die Ukraine nachzulassen.

Inflation schlägt auf Zeitungen und Kirchen durch – Eckhard Bieger (kath.de)

Wenn die Gas- und Stromrechnungen auf dem Tisch liegen, werden Viele nach Einsparmöglichkeiten suchen. Bei Steuern kann man kaum sparen, bei Versicherungen eventuell ein wenig, aber Kirche sowie Zeitungen gibt es kostenfrei online. Auch diese könnten sich aufs weitere Sparen verlegen oder aber die Chance nutzen, gänzlich umzubauen. Am radikalen Umbau kommen beide sowieso nicht vorbei, meint Eckhard Bieger in seinem Wochenkommentar auf kath.de (@kath_de).

nachgefasst

Das politische Leid mit Kardinal Woelki – Gespräch mit Wolfgang Meyer und Christiane Florin (WDR RheinBlick)

Mehr als Kölns Erzbischof Rainer Maria Woelki kann man eigentlich kaum noch in der Kritik stehen (vgl. dazu auch die #LaTdH vom 14. August). Aber der Vatikan belässt den ungeliebten Kardinal im Amt und macht ihn somit zum Symbol der Krise der römisch-katholischen Kirche. Je mehr Gläubige sich abwenden, umso mehr wird das Ganze auch ein Thema für die Politik.

Was passiert, wenn die Kirchen mangels Mitglieder oder Menschen, die für sie arbeiten wollen, auf einmal als Sozialpartner ausfallen, darüber hat Christoph Ulrich (@ullrich001) mit Wolfgang Meyer (@wolfmeyerNH) und Christiane Florin (@ChristianeFlori) im Podcast „WDR RheinBlick“ gesprochen.

Einigung mit EKD kommt – Interview mit Kerstin Claus (evangelisch.de)

Die neue Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung (UBSKM), Kerstin Claus (@kerstinclaus), ist seit April 2022 im Amt. Die 52-Jährige wurde selbst als Minderjährige von einem Pfarrer missbraucht, engagierte sich jahrelang im bundesweiten Betroffenenrat beim UBSKM. Nun arbeitet sie zusammen mit dem Familienministerium an einem neuen Gesetz, das die Rechte von Betroffenen stärkt.

Im epd-Interview bei Franziska Hein (@franzi_hein) und Bettina Markmeyer hat sie auch über den Stand der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der römisch-katholischen Kirche und der EKD gesprochen:

Nach den vielen Missbrauchsstudien und Veröffentlichungen, sind wir an einem Punkt, an dem es für die Kirchen kein Ausweg mehr sein darf, die juristische Verantwortung allein auf die unmittelbaren Täter oder Täterinnen zu schieben.

Ob das neue „Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt“ (BeFo) der Evangelischen Kirche in Deutschland (@EKD) zu einer Stärkung der Rechte von Betroffenen führe, könne sie derzeit nicht einschätzen:

Die Betroffenen bräuchten meiner Meinung nach ein eigenes, unabhängiges Gremium, in dem sie sich beraten können. Sie brauchen ein klares Mandat. Zudem ist es nicht gelungen, die Gruppe der kirchennahen und die der kirchenfernen Betroffenen zusammenzubringen. Daher stellt sich die Frage, mit welcher Legitimierung die jetzt Beteiligten die große Gruppe der Betroffenen repräsentieren.

Hintergrundinfos zum neuen Beteiligungsforum hatte Philipp Greifenstein bereits hier und hier für die Eule recherchiert.

Buntes

Autobahnkirchen: 200 Liter Diesel und ein Gespräch mit Gott – Harald Biskup (Frankfurter Rundschau)

Die Autobahn als Ort für den Glauben? Die Konferenz der Autobahnkirchen in Deutschland geht von mindestens einer Million Menschen aus, die jedes Jahr in einer der 44 spirituellen Raststätten einkehren. Harald Biskup hat sich für die Frankfurter Rundschau (@fr) auf den Weg gemacht und zwischen Trucks und Trucker-Bibeln Besinnlichkeit gefunden:

Zur Grundausstattung jeder Autobahnkirche gehören neben einem schlichten Altar und einem Kreuz die „Anliegenbücher“, Kladden, in denen man persönliche, oft sehr private Bitten und Klagen, aber auch Dank, etwa für eine überstandene schwere Krankheit oder eine geglückte Prüfung, vermerken kann. (…)

Eine aufschlussreiche Lektüre für Religionssoziologen, denn trotz dramatischer Kirchenaustrittszahlen scheint es um die persönliche Frömmigkeit nicht so schlecht bestellt zu sein, wie zu vermuten wäre.

Seit vielen Jahrzehnten laden Autobahnkirchen in ganz Deutschland Reisende dazu ein, zur Ruhe zu kommen, sich zu erholen und zu besinnen. Dem Gebets- und Andachtsheft „Rast für die Seele“, das in allen Autobahn-, Radwege-, und Citykirchen ausliegt, ist jetzt ein digitales Angebot zur Seite gestellt worden, das unter www.rast-fuer-die-seele.de mit Gebeten, Liedern und Texten zum persönlichen Besinnen und Nachdenken einlädt.

Sitzungen sind keine artgerechte Haltung – Thorsten Lätzel (Präses-Blog)

Ein „Plädoyer für bewegtes kirchliches Denken“ hält Präses Thorsten Lätzel in seinem Blog auf der Website der Evangelischen Kirche im Rheinland (@ekir_de). Er macht sich Gedanken darüber, warum in Gremien, Ausschüssen und Synoden so oft von „Sitzungen“ die Rede ist, nicht bloß von „Beratungen“ oder „Gesprächen“. Neben der orthopädischen Problematik des langen Sitzens hält er es für „geistlich aufschlussreich“, welche innere Haltung sich mit dem Sitzen verbinde:

Sitzen kann helfen, sich zu konzentrieren, bei einander und „bei der Sache“ zu bleiben. Es kann aber eben auch ein statisches, unbewegliches Denken befördern. (…)

Dass Jesus Zeit seines Lebens gewandert ist, permanent unterwegs war, ist wohl nicht nur ein äußerlicher Umstand. Es hat wohl auch sein Reden und Denken von Gott beweglich gemacht. Eine „theologia viatorum“, eine Theologie der Reisenden.

Als Kirchenmenschen sprechen wir ja gerne vom „wandernden Gottesvolk“, davon, dass Kirche in ständiger Veränderung sein müsse (semper reformanda) – um dann die nächste Sitzung abzuhalten. Vielleicht würde es unsere Überlegungen verändern, wenn wir uns tatsächlich zu mehr „Gehungen“, „Wandlungen“ verabreden würden. Am besten in Gottes schöner Schöpfung.

„Das ‚C‘ ist ein Bonus und kein Malus“ – Interview mit Andreas Püttmann (Domradio)

Die früher enge Verbindung der CDU zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken (@zdkonline) scheint sich langsam aufzulösen. Das hänge damit zusammen, dass sich beide Institutionen stark verändert haben, meint der Publizist Andreas Püttmann (@Puettmann_Bonn) im Interview mit dem Kölner Domradio (@domradio):

Es ist meines Erachtens richtig, dass beim Zentralkomitee der Schwerpunkt auf der christlichen Weltverantwortung liegt. Das bedeutet übrigens mehr als nur die Politik, dies wäre ein zu enges Verständnis von Weltverantwortung.

Ich kann auch nur davor warnen, der Versuchung zu erliegen, salopp formuliert, eine Art innerkirchlicher Betriebsrat oder Kirchenparlament zu werden, das als sein konträres Gegenüber hauptsächlich die Bischofskonferenz betrachtet. Gerade angesichts der dramatischen Krise der Demokratien und auch sozialer Probleme ist es wichtig, dass das Zentralkomitee nicht die medial mehr Aufmerksamkeit versprechenden innerkirchlichen Reizthemen stark macht, sondern die christliche Weltverantwortung mit Lösungsvorschlägen für gesellschaftliche Probleme klug wahrnimmt, am besten auch ökumenisch.

Was hat Franziskus seinen Kardinälen zu sagen? – Anna Mertens (kath.ch)

Kardinäle aus aller Welt kommen nächste Woche nach Rom zum Konsistorium. Die Gerüchteküche brodelt. Manche vermuten, Papst Franziskus könne die Regeln für den Rücktritt eines Papstes oder für einen gesundheitlichen Ausfall präzisieren. Anna Mertens (@Mertens_kna) hat einen Blick in die Glaskugel der „Vaticanisti“ geworfen:

Mit einer Konklave-Reform könnte Franziskus einen Schritt wagen, den seine Vorgänger nicht gingen. Er könnte die Versammlung der Papstwähler öffnen, die Bischofssynode mit einbeziehen und vielleicht in der Vorwahlphase eine stärkere Beteiligung der Ortskirchen schaffen – eventuell bis hin zu den Gläubigen. Vielleicht kombiniert Franziskus auch Rücktritts-, Vertretungs-, und Wahlregeln. Noch sind all dies Spekulationen – aber nicht mehr lange.

A what-if nightmare for the Catholic Church: Pope in a coma – Thomas Reese (Religion News Service, englisch)

Obwohl Papst Franziskus wiederholt gesagt hat, er beabsichtige nicht, in den Ruhestand zu gehen, hat er kürzlich klargestellt, dass er sein Amt niederlegen würde, falls er jemals zu krank sein sollte, um es auszuüben. Aber was passiert, wenn Franziskus oder ein anderer Papst plötzlich ins Koma fällt und nicht zurücktreten kann? Was tun, wenn der Pontifex Maximus unzurechnungsfähig wird?

Das sind Albtraumszenarien für die römisch-katholische Kirche, stellt der amerikanische Jesuit und Journalist Thomas Reese (@ThomasReeseSJ) in seinem Beitrag für den Religion News Service (@RNS) fest. Im Vatikan gebe es nichts, was mit dem 25. Zusatzartikel der US-Verfassung vergleichbar wäre, der ein Verfahren für die Ablösung eines Präsidenten („Impeachment“) vorsieht, der nicht in der Lage ist, seine Pflichten zu erfüllen:

Es gibt Gerüchte, dass die Päpste der letzten Zeit geheime Dokumente verfasst haben, die Anweisungen für den Fall enthalten, dass sie ins Koma fallen, aber die Echtheit eines solchen Dokuments könnte in Frage gestellt werden, wenn es erst nach der Beeinträchtigung des Papstes veröffentlicht wurde. Außerdem könnten die Verfahren nicht verbindlich sein, wenn sie nicht offiziell verkündet wurden. Besser wäre ein öffentliches Gesetz, das das richtige Verfahren festlegt, damit jeder weiß, wie er vorgehen muss.

Carol Glatz (@CarolGlatz) stellt in ihrem Beitrag „What should a retired pope do?“ im America Magazine (@americamag) die Vorschläge von Kirchenrechtlern der Forschungsgruppe „Sede romana totalmente impedita e status giuridico del Vescovo di Roma che ha rinunciato“ vor, die in diese Richtung gehen: das Projekt einer „Apostolischen Konstitution über die völlige Behinderung des römischen Bischofsstuhls“, das auch in deutscher Übersetzung vorliegt. In der Begründung dieses Gesetzesentwurfs wird betont,

dass es sich keinesfalls um eine Amtsenthebung oder Absetzung des Papstes handelt, sondern um eine deklaratorische Verfahrensweise zum Wohl der Kirche, welches den Wert und die Würde des menschlichen Lebens, auch in Krankheit, vollkommen wahrt. Dergestalt tritt die Beendigung des Petrusamtes ipso iure ein, und zwar aufgrund eines von der obersten Autorität der Kirche promulgierten Gesetzes, welches an einen Sachverhalt bestimmte Rechtsfolgen knüpft. Diese treten in dem Augenblick ein, in dem das Kardinalskollegium eine derartige Situation durch eine deklaratorische Feststellung bekräftigt, welche zur Anwendung der besonderen Gesetze über die Vakanz des Apostolischen Stuhls und zur Wahl des Papstes führt.

Der Vorschlag führt Überlegungen aus der theologischen und kirchenrechtlichen Tradition fort. Entscheidend für eine möglicher Umsetzung solcher Ideen ist aber nicht die Überzeugungskraft der Argumente, sondern die Frage, ob sich der Papst als oberster Gesetzgeber diese zu Eigen macht, und das erscheint eher unwahrscheinlich.

Der Vorschlag einer „deklaratorischen Feststellung“ der „Amtsunfähigkeit“ des Kirchenoberhauptes durch Dritte ist nämlich mit dem vom Ersten Vatikanischen Konzil als Dogma verkündeten „Jurisdiktionsprimat“ des Papstes kaum zu vereinbaren:

Da aber jeder, der den Papst für irre oder häretisch erklären würde, zumindest in diesem Moment über ihm stünde und dies mit der dogmatisierten Höchstgewalt des Papstes kollidiert, sind solche Ansätze seit dem Ersten Vatikanum auf der Ebene reiner Theorie festgenagelt. Es gibt für solche Fälle systemgerecht keine gesetzlichen Vorkehrungen. Katholisch hilft hier nur beten und das gläubige Vertrauen, Gott werde einen verrückten, komplett handlungsunfähigen oder ungläubigen Papst nicht zulassen,

hatte der Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke (@norbertluedecke) dazu vor zwei Jahren hier in der Eule dazu bemerkt.

Theologie

Die katholische Soziallehre vor den Herausforderungen der Digitalität als sozialer Frage – Lars Schäfers (Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle)

Die katholische Soziallehre galt als die Antwort auf die Soziale Frage des 19. Jahrhunderts. Die römisch-katholische Kirche hatte erkannt, dass reines Moralisieren das Los der Fabrikarbeiterschaft nicht verbessert. Man muss die gesellschaftlichen Strukturen angehen – Vorfahrt für Sozialethik statt bloße Tugendmoral.

Digitalität als neue soziale Frage des 21. Jahrhundert stelle die kirchliche Soziallehre heute vor neuen Herausforderungen, schreibt Lars Schäfers, Wissenschaftlicher Referent der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle (@KatholischeSZ) in einem neuen Arbeitspapier:

Digitalisierung und Digitalität werden oft noch immer als Bereichsphänomen verstanden und der Medienethik zugeordnet. (…) Medien sind zwar ein ganz wesentlicher und offenkundiger Kristallisationspunkt von Digitalisierungsprozessen, doch sollte Digitalisierung viel breiter in den Blick genommen werden. Die genuin sozialethische Frage nach Gerechtigkeit, nach gerechten Institutionen, Strukturen und Systemen mit Blick auf eine erheblich von Digitalisierungsprozessen beeinflusste Gesellschaft ist in der kirchlichen Sozialverkündigung nämlich noch unterbelichtet.

Darüber, was die katholische Soziallehre zu ethischen Herausforderungen einer durch Digitalität und Medialität geprägten Gesellschaft beitragen kann, hat Lars Schäfers auch in einem Podcast-Beitrag mit Prof. Andreas Büsch (@andreasbuesch) gesprochen, dem Leiter der Mainzer Clearingstelle Medienkompetenz (@ClearingMedienk) der Deutschen Bischofskonferenz.

Zivilisatorischer Pazifismus – Peter Bürger (telepolis)

Die militärische Heilslehre gehöre zur Dogmatik einer zerstörerischen Zivilisation, inzwischen hätten „bürgerliche Fraktionen der Ökologiebewegung“ ihren „Frieden mit der Bombe“ geschlossen, kritisiert der römisch-katholische Theologe Peter Bürger bei Telepolis (@telepolis_news). Ohne den „Sturz der Kriegsgottheit“ werde die Menschheit beim Klimaschutz jedoch nie den Kreislauf der Vergeblichkeit durchbrechen:

Weltfrieden ist die unerlässliche Voraussetzung bzw. Rahmenbedingung für jede vorstellbare Lösung oder Entschärfung der ökologischen Krise. In einer von Militärlogik durchdrungenen Welt der Menschen, so haben die letzten Jahrzehnte gezeigt, sind nicht einmal Weichenstellungen für einen neuen Weg – eine grundlegend andere Zivilisationsrichtung – zu bewerkstelligen. Vonnöten ist deshalb ein radikales Friedensvotum, welches uns das Geschick der ganzen Gattung vor Augen stellt. Hierfür schlage ich den Begriff „Zivilisatorischer Pazifismus“ vor.

Wenn ich als Theologe an dieser Stelle mehr „religiöse Musikalität“ in einer Revolte für das Leben ersehne, so möchte ich nicht missverstanden werden. Jene institutionalisierte „Religion“, die jede beliebige Apparatur mit den Versprechungen einer hohlen Jenseitigkeit und einer kapitalismuskonformen Anwendungspastoral stützen kann, pulverisiert sich hierzulande.

Die biblische Überlieferungsgemeinschaft, aus der ich komme, zielt auf Religionskritik (nicht auf die Konstruktion eines höchsten Wesens oder esoterische Spekulationen). Es geht um einen Aufstand gegen den Tod, um den Sturz der falschen, allmächtig scheinenden Götter des Weltgeschehens.

Predigt

Aktive Gewaltfreiheit in der Bibel – Thomas Nauerth (Anzeiger für die Seelsorge)

Über Gewalt in der Bibel wird zahlreich geschrieben, über Gewaltfreiheit dagegen ist wenig zu lesen. In seinem Beitrag für den Anzeiger für die Seelsorge zeigt der Religionspädagoge Thomas Nauerth, dass nicht nur die Weisungen der Bergpredigt auf eine Haltung aktiven gewaltfreien Widerstands hinauslaufen, sondern dass diese Weisungen zugleich tief verankert sind in Erzählungen des Alten Testaments:

Im Alten Testament ist nicht nur von Kriegen Israels die Rede, und nicht nur von einem endzeitlichen Schalom. Immer wieder finden sich, oft mitten in Kriegserzählungen (!), Geschichten, in denen Konflikte ohne Gewalt, mit Großmut, und oft sehr kreativ und listig gelöst werden. (…)

Aktive Gewaltfreiheit, so könnte man zusammenfassen, ist der Traum, den der Gott Israels vom Handeln des Menschen hat. So zumindest muss es Jesus verstanden haben, so hat es aber auch Paulus gesehen, wenn er in Röm 12 formuliert: „Vielmehr: Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen, wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken; tust du das, dann sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt. Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“

Ein guter Satz

Religion

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August 21, 2022 at 07:07AM